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Logbuch 2

Kurz vorweg: Leider wurde der Text länger als ich es mir vorgenommen habe. Ich hoffe das stört niemanden. Der Text basiert auf einer waren Gegebenheit. (Heute Nacht)

>Wer braucht schon Schlaf?<

Gefühlszustand: Wolkig mit Aussicht auf Vernebelung.


Habe heute Nacht bis genau 2:52h mit Hilfe eines bekannten „Voice over IP“-Programms kommuniziert. Sie ist nämlich als Aupair in Spanien. Wir haben also gemütlich telefoniert (falls man das so nennen darf), solange bis ich dann feststellte, dass ich bald einschlafen würde. Also schnell gute Nacht gesagt, ab ins Bett und eingeschlafen.

03:07h
Ein verdammt lautes Piepen reißt mich aus meinem grade gefundenem Schlaf. Mein Funkmeldeemfänger. Ich überlege noch kurz, dann ziehe ich mich an und laufe los. Ich denke noch bei mir „Seit Neujahr immer nur nachts oder spät Abends alarmiert worden… Und jedes mal Fehlalarm. Warum mache ich das eigentlich noch?!“ Ich denke nach „Bestimmt wieder dieses Altenheim, wo andauernt die Brandmeldeanlage auslöst.“ Ich ärger mich. Aus dem Halbschlaf, in welchem ich noch immer bin, entwickelt sich langsam Wut. Eine künstliche Wut? Auf jeden Fall genug Wut um meinen Vater aus dem Schlaf zu brüllen. „VATTERN! Ich hab nen Einsatz, fahr mich mal zur Feuerwehr!“ Mein Vater findet das wenig amüsant und fragt was denn los sei. „Bestimmt wieder dieses nervige Altenheim.“ entgegne ich genervt. „Fahr mitm Fahrrad, ich muss um 07:00h aufstehen und selber arbeiten gehen.“

03:08h
Ich gehe zur Garage. Im Laufen schnell eine Jacke übergezogen. Die Pfützen sind eingefroren, so wie meine Ohren es bald sein werden. „Nur wegen diesem blöden Altenheim.“ Mein Melder macht Geräusche. Der Disponent fängt an seine Durchsage zu machen. „Ein Einsatz für den Löschzug der Hauptamtlichen Wachbereitschaft, 99-01, 99-02, sowie den ersten und zweiten Zug Stadtmitte!“ Ich komme kurz ins Stutzen. Normalerweise kann ich die Alarmierung schon mitsprechen. Aber dieses mal ist etwas anders. „Hat er grade Löschzug eins und zwei alarmiert?“ Der Disponent spricht weiter, er gibt den Einsatzort durch, nur liegt die Straße in einem ganz anderen Stadtteil. Das weiß ich. „Gemeldet wurde ein Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus! Ende von der Leitstelle, aktuelle Uhrzeit:

03:09h“

Es dauert einen kleinen Moment bis ich realisiere, dass dies kein kleiner Fehlalarm ist. Es ist noch nicht mal klein. Ich fahre los. Ich fahre tierisch schnell. Ich bin nun hellwach.
Dann komme ich an der Wache an. Normalerweise brauche ich bei einem Einsatz etwa sechs Minuten mit dem Fahrrad zur Wache. Die aktuelle Uhrzeit ist also ungefähr

03:15h
Ich gucke mich um. Ich bin alleine. Drei Fahrzeuge von den Hauptamtlichen sind schon draußen, außerdem der Einsatzleiter. Ich gucke zur anderen Halle und sehe, dass bereits drei Fahrzeuge von uns freiwilligen Kräften ausgerückt sind. Ich gehe zur Umkleide, hole meine Einsatzklamotten aus meinem Spint. Über meine Stiefel ist bereits meine Einsatzhose drübergestülpt. Das spart Zeit im Notfall, und dies ist einer. Ich ziehe schnell meine Jacke an, nehme meinen Helm in die Hand und gehe nach draußen. Einer meiner Feuerwehrkameraden läuft in Richtung Kommandowagen. „Warte!“ Ich renne ihm hinterher, und steige ebenfalls in den rot lackierten VW Sharan. Mit Sondersignal fahren wir los, die Einsatzstelle ist nur etwa eine Minute Fahrt von der Wache entfernt. Ich gucke auf das Display des Funkmeldesystems: „B5\\SoSi\******* Straße 14\Kellerbrand\“ Oben rechts steht die Uhrzeit:

03:17h
Wir erreichen die Einsatzstelle. Ich steige aus, ein Kamerad übergibt mir direkt eine junge Frau, und sagt ich solle sie zum Rettungswagen bringen. Also bringe ich die Frau, welche schwer am Husten ist zum Rettungswagen, der genau hinter uns parkt.
Danach melde ich mich beim Einsatzleiter. Er sagt: „Nichts schlimmes ein Dart-Gerät im Keller hat irgendwie Feuer gefangen, nur zwei leicht verletzte Personen, wir lüften noch und dann bauen wir ab.
Ich laufe zurück zu meinem Kollegen, der mich gefahren hat, schildere ihm die Sache. Wir gehen zur Drehleiter, holen den Hochleistungslüfter und stellen ihn vor das Haus. Bis das Haus komplett gelüftet ist, der Keller noch einmal kontrolliert wurde und letztlich auch alle Einsatzmittel wieder auf den Fahrzeugen sind vergeht einige Zeit.
Dann fahren wir wieder zur Wache. „Wurde auch Zeit,“ denke ich „ich bin tierisch müde.“ Auf der Wache angekommen schaue ich zunächst einmal auf die Uhr.

04:25h
Ich würde jetzt gerne direkt nach Hause in mein Bett, aber soweit sind wir noch nicht. Erstmal alle Schläuche und Atemschutzgeräte austauschen, die gebraucht wurden. Den Lüfter neu betanken. Die Fahrzeuge wieder komplett einsatzbereit machen. Dann endlich: Alles ist fertig. Wir können aus den – nach Rauch stinkenden – Einsatzklamotten raus.
Ich gucke nicht mehr auf die Uhr aber es ist ungefähr

05:10h.
Ich setze mich auf das Fahrrad, der Sattel und der Lenker sind vereist. Mir ist kalt. Zuhause angekommen ziehe ich meine Jacke aus. Ich gehe zum Badezimmer, dabei komme gucke ich auf die Uhr im Flur:

05:26h
Ich ziehe meine Klamotten aus, denn sie riechen nach Rauch. Dann gehe ich nach oben, falle in mein Bett und damit auch ins Koma.

Plötzlich wache ich auf.
Es stinkt. Es stinkt nach Rauch. Bilde ich mir das nur ein? Nein. Hier riecht es ganz eindeutig nach Rauch!
Ich renne aus meinem Zimmer um nach zu sehen. Hier riecht es noch stärker. Ich gucke in das Zimmer von meinem Vater: Er ist nicht da. „achja, der muss ja arbeiten…“ Ich renne runter, zum Telefon die Nummer von der Leitstelle schon gewählt, sehe mich um, vielleicht erkenne ich ja was hier brennt. Sehe nicht was hier brennt. Sehe nur meinen Vater, er füttert den Kamin. Denke noch „Was macht der denn hier?„. Höre ihn fragen „Wieso bist du denn schon auf?“ Fange an zu Kapieren. Stelle das Telefon wieder weg. Gucke auf die Uhr…

07:13h

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